Archiv des Autors: aergernis

1. Mai

Der 1. Mai steht vor der Tür und mit ihm die »revolutionären Erster-Mai-Demonstrationen«. In Hamburg hat JustIn Monday den Aufruf zur örtlichen Demo ob seiner falschen Kapitalismuskritik kritisiert und Quergelesen hat seinen Text, »1. Mai an die Luft wo der Engels nach uns ruft«, vertont. Die Sendung befasst sich außerdem mit der Abschaltung der freien Radios in Sachsen.

Download: klein (18 MB), groß (59 MB)

Antisemitismus & Krise

*Update*: Der Beitrag wurde überarbeitet, die Links stimmen wieder.

*Update*: Leider sind die EAG-Links schon wieder tot; die MF-Links ebenso. Die Referate sind aber via AArchiv weiter verfügbar.

Die Emanzipative Antifaschistische Gruppe aus Berlin stellt die Audioaufzeichnungen der von ihr und der Gruppe Disparat organisierten Veranstaltungsreihe »Antisemitismus und Krise« zum Download bereit.

Die verlinkten nachbearbeiteten Dateien sind etwas lauter, z.T. von Störgeräuschen bereinigt und von derselben Größe wie die Originale.

1. Martin Dornis: Möglichkeit, Wirklichkeit und Permanenz der Krise – von der gewaltförmigen Vergleichung zum Massenwahn
Dornis‘ Vortrag ähnelt stark seinen übrigen Referaten aus der letzten Zeit. Ankündigungstext:

Der Kapitalismus trägt sowohl das Moment der Krise, als auch das der Ideologie, die sich in der Krise bis zum Massenmord zuspitzen kann, von Anbeginn in sich. Warum nicht der Kommunismus, sondern die nationalsozialistische mörderische Krisenlösung in der Logik der Warengesellschaft angelegt ist, soll begründet werden. Vor diesem Hintergrund soll im Vortrag über grundlegende Zusammenhänge von kapitalistischer Gesellschaft, politisch-ökonomischer Krisen, Staat und ideologischer Verarbeitung diskutiert werden.

Download: Referat (1:20 h, 18 MB, mp3) – Diskussion via EAG, via AArchiv (0:44 h, 10 MB, mp3)
Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF

2. Gerhard Stapelfeldt: Neoliberalismus und Antisemitismus  - Hörenswert
Sehr empfehlenswert!
Ankündigungstext:

Der Neoliberalismus tritt nicht antisemitisch auf; offen antisemitische Äußerungen wird man im Werk des Hauptes der neoliberalen Theorie, Friedrich August von Hayek (1899-1992), nicht finden. Aber der Antisemitismus ist kein Bewußtes, sondern ein Gesellschaftlich-Unbewußtes. Darum ist der Antisemitismus allererst nicht in Rücksicht auf das Judentum zu erklären, sondern als unbewußte gesellschaftliche Projektion. Diese freilich benötigt eine Projektionsfläche, die der unbewußten Übertragung Plausibilität verleiht: nicht jeder Mensch, nicht jede soziale Gruppe ist als eine solche Fläche geeignet. So ist der Antisemitismus gesellschaftlich unbewußt, zugleich keine pure Willkür: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ (Adorno) Der Antisemitismus bedurfte der Juden, aber er vermag sich auch zu erhalten, ohne daß empirisch auf Juden verwiesen werden könnte. Umgekehrt ist der Antisemitismus auch ohne of-fen antisemitische Charaktere möglich. Der Neoliberalismus nun ist die Apologie des unbewußten Allgemeinen. Daraus folgt sein kategorischer Imperativ: Anpassung an die undurchschauten Mächte der Tradition; daraus folgt seine Negation und Diffamierung aller Gestalten gesellschaftlicher Utopien; daraus folgt seine Individualisierung gesellschaftlicher Verhältnisse. In dieser Konstellation von neoliberalen Basisdogmen besteht eine Wahlverwandtschaft zwischen dem neuen Liberalismus und dem Antisemitismus. Vor allem in Zeiten der Krise droht diese Nähe in einer manifesten Praxis zu erscheinen. Die Aufklärung dieses Zusammenhangs hat sich vor einem allzu umstandslosen Vergleich des Neoliberalismus mit dem Nationalsozialismus, vor einer Verhöhnung der Opfer des nationalsozialistischen Staatsterrors zu hüten. Sie hat aber ebenso die neoliberale Verdrängung des Terrors zurückzuweisen, die schon kurz nach 1945 im Dogma von der ‚Stunde Null’ einsetzte. Seit Freud ist bewußt, daß jede Verdrängung die „Wiederkehr des Verdrängten“ impliziert; die „Wiederkehr“ ist jedoch keine Wiederholung, sondern die Erscheinung des Verdrängten unter veränderten Verhältnissen.

Download: via AArchiv, via EAG, via MF (1:31 h, 21 MB, mp3)

3. Ljiljana Radonic: Finanzkapital, USrael und Antisemitismuskeule – Eine Einführung in die Antisemitismustheorie
Ankündigungstext:

Pflegt man in der Wirtschaftskrise dem Finanzkapital die Schuld an der Misere zu geben, so ist die Trennung von „raffendem“ und „schaffenden“ Kapital nicht weit. Warum schon dieser Verfolgungswahn eine für den Antisemitismus charakteristische pathische Projektion ist, soll hier ebenso aufgezeigt werden, wie danach gefragt werden soll, warum verkürzte Kapitalismuskritik, Antizionismus und Antiamerikanismus zu einem „neuen Antisemitismus“ geführt haben, bei dem sich rechtsextreme, linke und islamistische Parolen plötzlich aufs Haar gleichen.

Download: Referat (0:55 h, 13 MB, mp3) – Diskussion (0:39 h, 9 MB, mp3)
Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF

4. Stephan Grigat: Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer Bedrohung für Israel
Ankündigungstext:

Der Vortrag analysiert Geschichte und Gegenwart der iranischen Diktatur und setzt sich mit dem Verhältnis Europas, insbesondere Deutschlands und Österreichs, zum Iran auseinander. Betrachtet wird die innenpolitische Lage im Iran, der Terror der Teheraner Mullahs gegen die iranische Bevölkerung sowie das geheime Atomprogramm des Iran und die Vernichtungsdrohungen gegen Israel.

Download: Referat (0:58 h, 13 MB, mp3) – Diskussion (1:14 h, 17 MB, mp3)
Nachbearbeitet: Referat

5. Luise Schirmer: »Stalin hat uns das Herz gebrochen« – Antisemitismus in der DDR
Ankündigungstext:

Einem von rechter Seite stark besetzten Thema soll eine linke Perspektive entgegengesetzt werden, die einen differenzierten Blick auf die diversen Erscheinungsformen des Antisemitismus in der Politik der SED, aber auch in der DDR-Bevölkerung ermöglicht.

Download: Referat (0:38 h, 9 MB, mp3) – Diskussion (0:46 h, 11 MB, mp3)
Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF

6. Tanja Kinzel: Sexismus und Antisemitismus  - Hörenswert
Guter, historisch fundierter Überblick über die Entwicklung juden- und frauenfeindlicher Ideologeme in der bürgerlichen Gesellschaft. Ankündigungstext:

Sexismus, Rassismus und Antisemitismus sind konstitutiv mit der Durchsetzung der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft verbunden. Grundlagen dieser Einstellungen lassen sich historisch an der Entwicklung und Beantwortung der “Frauenfrage” und der “Judenfrage” nachvollziehen: In antisemitischen Stereotypen verschmelzen frauenfeindliche Sexualfantasien mit rassistischen Bildern. Im Vortrag geht es um die historischen Entwicklungen und Verschränkungen von Geschlechtsbildern und antisemitischen Vorstellungen – und die Frage, inwiefern diese Bilder heute noch aktuell sind.

Download: Referat (1:00 h, 14 MB, mp3), Diskussion (0:17 h, 4 MB, mp3)
Nachbearbeitet: Referat via AArchiv, via MF
Weiterlesen

Die Situationistische Internationale

Sachzwang FM verarbeitet in der aktuellen Ausgabe einen Vortrag Peter Christoph Zwis zur Einfürung die situationistische Theoriebildung. Zwis Stimme scheint mir etwas tiefer zu klingen als sonst. Ich schätze sie wurde der Verständlichkeit halber verlangsamt.

Ich kann zugegebenermaßen nicht sagen, ob es sich beim verwendeten Mitschnitt um einen handelt, der hier in Rohform schon archiviert wurde…

Download via Mediafire; via AArchiv (2 h, 41 MB)

Zum Begriff der Geschichte bei Walter Benjamin

Ein kurzer einführender Vortrag von Anselm Gramschnabel (schönes Pseudonym!), assoziiert in der überregionalen kommunistischen Gruppe Surpasser, zum Geschichtsverständnis Walter Benjamins.

Download: via archive.org (35 + 50 MB) oder via MF, nachbearbeitet, also lauter und kleiner bei unverminderter Klangqualität: Vortrag (38 min), Diskussion (55 min) (11 + 16 MB)

Wissenschaft – Aufklärung – Mündigkeit. Anmerkungen zum Bildungsbegriff

Die letzten Studierendenproteste sind längst abgeflaut und ihre Inhalte galten der radikalen Linken als mindestens zweifelhaft. An dieser Stelle seien einige Beiträge zum Themenkomplex Bildung & Wissenschaft gewissermaßen nachgereicht (oder auch präventiv für den nächsten Protest empfohlen).

  1. Gerhard Stapelfeldt: Bildung ist keine Ware? Kritische Anmerkungen zu einer politischen Parole.
    Dieser Text wurde in der »contra.funk«-Sendung vom Dezember 2009 (vom bermuda.funk – Freies Radio Rhein-Neckar) gekürzt wiedergegeben. Stapelfeldt leitet die Idee der Bildung von der Idee der Philosophie und des Humanismus als (revolutionäres) Streben nach Mündigkeit her und kritisiert das Humboldtsche Bildungsideal als eines der »deutschen Innerlichkeit«. Zudem geht er dem historischen Wandel/Niedergang der Bildung nach.
    Die Sendung enthält darüber hinaus einen Bericht zu den antisemitischen Vorfällen bei der Filmvorführung von »Warum Israel« in Hamburg, ein Interview über das mögliche Aus der Freien Radios in Sachsen und Terminankündigungen und Musik.
    Download (20,5 MB; 1 h); Text hören auf Myspace (21 min); Text als PDF via Antifa AK
  2. »Bildung, Halbbildung, Bildungsklau? Zum Bildungsbegriff Theodor W. Adornos und seiner semantischen Verkümmerung zur Parole innerhalb der Studierendenproteste«.
    Es handelt sich um ein 36minütiges Radiogespräch, das Markus Mersault von der Gruppe Emanzipation und Frieden mit Eva Klinkisch führte. Letztere promoviert im Fach Soziologie und beschäftigt sich dabei u.a. mit dem Bildungsbegriff.
    Download: via FRN (35 MB); via MF (11 MB)
    Beschreibung:

    Wer heutzutage Kritik am Bildungswesen formuliert, stellt mitnichten seine Renitenz und Autonomie zur Schau, sondern reiht sich ein in eine mal latent und unterschwellig, mal akut und offen auftretende Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsteile, die von Schülern, Studenten und Arbeitslosen bis hin zu Arbeitgebern und Politikern artikuliert werden. Während den einen die Ausrichtung des Bildungswesens an Verwertungsimperativen zu weit geht und sie lauthals fordern, ihnen nicht die Bildung zu klauen, geht den anderen die Zurichtung des Bildungswesens gemäß ökonomischen Bedürfnissen im Zeitalter verstärkten Wettbewerbs und angesichts der Globalisierung nicht weit genug, solange weiter unnützes, unverwertbares Wissen vermittelt werde und sich einige Studierende erdreisten, die Regelstudienzeit zu überschreiten. Fast allen Diskussionen ist gemeinsam, dass über das Grundsätzliche überhaupt nicht diskutiert wird: Was eigentlich ist Bildung?
    Jener Frage soll mit Hilfe Theodor W. Adornos nachgegangen werden, der Bildung nicht nur von Wissen, sondern gerade auch von Halbbildung abgrenzt und auf den essentiellen Zusammenhang von Bildung und Gesellschaft verweist. Mit ihm lässt sich am heutigen Bildungsbegriff eine Kritik formulieren, die individuellen und gesellschaftlichen Verkürzungen widersteht. Und mit ihm lassen sich auch kritische Anmerkungen zu jenen Protestlern machen, die sich mit ihrem Kampf gegen Gebühren und Kapitalisierung überhaupt am kritischsten wähnen: den Studierenden.

  3. Auch die Kulturkritik München hat sich mit der Bildungsproblematik beschäftigt. Es liegen folgende Radioaufzeichnungen vor:
    1. Wissenschaft und Kultur – menschliche Selbstverständigung und die Macht pluraler Beliebigkeiten
    2. Wissenschaft und Emanzipation – Begriffsbildung einer kritischen Theorie
    3. Diskussion zum Bildungsstreik: Wissenschaft und Emanzipation – Begriffsbildung einer kritischen Theorie. (83 Minuten)
      Es handelt sich um die Aufzeichnung einer Diskussionsveranstaltung zum vorgenannten Text.

    Die Sendungen enthalten Musik und sind etwa eine Stunde lang.

Zum Thema u.a. bereits archiviert: Weiterlesen

Das Ende der liberalen Demokratie

Joachim Hirsch über die neoliberale Transformation des Staates und der Repräsentativdemokratie in der Globalisierung. Es handelt sich um eine Sendung von Radio Helsinki (Graz) aus der Reihe A_partment politi_X. Hirsch hielt seinen Vortrag auf dem Alternativen-Kongress 2008.

Download: FRN oder MF (25 MB, 55 Minuten)

Was Hirsch mit »Radikalem Reformismus« im Sinn hat, erklärt er in diesem FRN-Beitrag.

Kritik der bgl. Frauenbewegung

Die neue Quergelesen-Sendung beinhaltet noch einen Text aus der Outside The Box #1 – Andrea Trumann: Das Bedürfnis nach Gleichheit. Eine Kritik der bürgerlichen Frauenbewegung. Darüber hinaus gibt es einen Jungle World-Kommentar Carlos Kunzes zu Griechenland: Das Laboratorium. 1 h.

Download (62 MB), kleine Fassung (17 MB)

Vorträge Frigga Haugs

Update (September 2010): Frigga Haug hat eine Website und es existiert eine Mediathek mit zahlreichen Audio-Beträgen von ihr, z.B. über Rosa Luxemburg.

Update (Oktober 2012): (Fast) Alle Vorträge auch via AArchiv.

  • Wohin ging die Erbschaft aus der verschwundenen Frauenbewegung? Versuch einer Wiederaneignung in sozialistischer Perspektive. 55 Minuten
    Download: Beim Podcast-Kombinat (44 MB) oder via MF (16 MB)
  • Die Prekarität ist von Natur aus weiblich. Überlegungen zum Verhältnis von Produktionsweise, Geschlechterverhältnissen und dem großen Magen des Neoliberalismus.
    Gehalten wurde der Vortrag am 5. Oktober 2007 in Bregenz, anlässlich des 2. Vorarlberger Symposiums zu Frauen- und Geschlechterforschung. Veranstalterin war der Verband feministischer Wissenschafterinnen, Wien. 48 Minuten
    Download: Bei Radio Proton (28 MB) oder via MF (14 MB)
  • Anleitung zum utopischen Denken.
    Sendung des Freien Radios Stuttgart. 39 Minuten
    Download: Bei FRN
  • Interview über Rosa Luxemburg bei FRN
  • Zu Harz und Agenda 2010 bei FRN: 1, 2

Anarchismus & Marxismus in der Postmoderne

»Da weiß ich nicht recht, ist das jetzt ernst gemeint? Oder ironisch? Oder post-ironisch?« – »Oder post-post-ironisch…«

(Marc-Uwe Kling)

Die Aufnahme »postmoderner« Theorien in bestehende Theorietraditionen führte zu Wortkonstruktionen wie »Postfeminismus« oder »Poststrukturalismus«. Auch Marxismus und Anarchismus blieben davon nicht verschont. Und so gibt es heute…

  1. Postmarxismus
    Oliver Marchart gab 2008 in einer Reihe »Zur Aktualität Marxscher Theorie« (Uni Jena) eine Einführung in den Postmarxismus, besonders in die Theorie Laclaus. (53 Minuten)
    Download: via AArchiv (19 MB)
  2. und

  3. Postanarchismus
    Einen Überblick über das Projekt des und die Debatten um den Postanarchismus gab Jürgen Mümken auf den Anarchietagen 2008 in Winterthur.
    Download: Bei der LAW: Vortrag (1:21 h, 36 MB), Diskussion (1:05 h, 26 MB); via MF: Vortrag (28 MB)

Ankündigungstext zu Oliver Marchart: Post-Marxismus Weiterlesen

Befreit von »Vaterlandsverrätern«. Der vergessene Widerstand in Kärnten

Ein DRadio-Feature von Raul Zelik über die Kärntener Partisanen und ihre Behandlung im postnazistischen Österreich. Download via MF (mp3, 20 MB, 43 Minuten)

Abstract:

In den 40er-Jahren war Kärnten die einzige Region des damaligen Deutschen Reiches, in der es im größeren Stil Widerstand gegen den Nationalsozialismus gab. Etwa 500 Österreicher, die meisten von ihnen Angehörige der slowenischsprachigen Minderheit, kämpften in den Tälern des Karawanken-Gebirges südlich von Klagenfurt gegen die Wehrmacht.

Doch obwohl der mit hohen Verlusten verbundene Widerstand maßgeblich zur Befreiung Kärntens beitrug, wurden die Partisanen in Österreich nach 1945 kaum gewürdigt. Von der deutsch-österreichischen Bevölkerungsmehrheit wurden sie als „Vaterlandsverräter“ angefeindet, die an der Seite Jugoslawiens gekämpft hatten. Und so begannen die Widerstandskämpfer über diese Zeit schon bald wieder zu schweigen.

Doch einmal jährlich erinnern die Partisanen von damals an ihren Kampf und seine vielen Opfer. Der Schriftsteller Raul Zelik hat sich auf die Spuren dieses anderen, vergessenen Österreichs begeben